Abend über Potsdam

von Lutz Hübner und Sarah Nemitz
Uraufführung

 

mit Marianna Linden, Meike Finck, Philipp Mauritz, Florian Schmidtke und Nina Gummich

 

Regie: Isabel Osthues
Bühne: Jeremias Böttcher
Kostüme: Mascha Schubert
Musik/Komposition: Timo Willecke


Premiere: 4. April 2017
Hans Otto Theater Potsdam

 

Termine: Hans Otto Theater Potsdam

 

»Abend über Potsdam« heißt das Hauptwerk der Berliner Malerin Lotte Laserstein (1898-1993). Das Bild von 1930 ging in die Kunstgeschichte ein; es befindet sich heute im Besitz der Berliner Nationalgalerie. Im Auftrag des Hans Otto Theaters ließ sich der Autor Lutz Hübner davon zu einem Stück inspirieren. In einer Verknüpfung von Fakt und Fiktion beschreibt es die Entstehung des Gemäldes inmitten der politischen Umbruchzeit von 1929/1930.

Unsichere Zeiten: Die Republik ist in der Krise, wirtschaftlich, sozial und politisch. Viele fühlen sich ausgeschlossen. Sie resignieren, oder sie begehren auf. Radikal zu sein, unsentimental, das ist modern. Besonders die junge Bewegung der Nationalsozialisten polarisiert und trägt den politischen Aktivismus auf die Straße. Es ist 1929. In Berlin arbeitet die Malerin Lotte Laserstein, eine der ersten jungen Frauen, die ein Kunststudium an der späteren UdK absolviert haben. Mit einer Gruppe von Bekannten fährt sie im Spätsommer mit einer Leinwand nach Potsdam. Auf einer Terrasse gruppiert sie ihre Modelle in einer Abendmahlszene mit Blick über die Stadt. Mit dabei sind ihre Freundin Traute Rose und deren Mann, Dramaturg an einem Theater, ein Journalist, eine Telefonistin und eine junge Polin. In den kommenden Monaten, während der Atelierarbeit am Bild, verändert sich die Stimmung draußen. Mit ihr verändert sich das Denken in der Gruppe. Jeder versucht, seine Position in der abrutschenden Republik auf den Begriff zu bringen. Haltungen kristallisieren sich heraus: Überforderung, Ignoranz, begeisterte Radikalisierung oder Widerstand. Lotte Laserstein malt. Sie malt ein Bild, das den Zusammenbruch des bürgerlichen Zeitalters in Gewalt, Vernichtung und Vertreibung vorausahnen läßt.

 

Text: Hans Otto Theater Potsdam

Fotos: HL Böhme

Presse

»Betrachtet man das Bild mit heutigen Augen, erscheint es wie die unglaublich hellsichtige Bestandsaufnahme einer Zeit im Umbruch, in der sich die Menschen verändern, verlaufen, verhärten. Lutz Hübner und Sarah Nemitz erzählen dies in einer subtil ausformulierten, chronologischen Szenenfolge, die mit den ersten Skizzen 1929 beginnt (…). Gezeichnet sind die Figuren zum Glück nicht in Schwarz und Weiß, sondern mit berührend vielschichtigen Zwischentönen.«
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

»Regisseurin Isabel Osthues gibt den Figuren Raum zum Atmen, es stehen Menschen und keine Stereotypen auf der von Jeremias Böttcher gestalteten Bühne. Eine historisch grundierte Bildinterpretation, eine von vielen möglichen. Auf jeden Fall eine kurzweilige.«
(Berliner Morgenpost)

»So bewundernswert es den Autoren gelungen ist, alles Plakative zu vermeiden, so behutsam, genau und ohne Furcht vor Empathie entwickelt Isabel Osthues ihre schöne, gelassene, geduldig den diskursiven Windungen folgende Inszenierung.«
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

»Lutz Hübner und Sarah Nemitz haben das wirklich schöne, starke Thema sicher im Griff (und) Isabel Osthues folgt dem klaren, konzentrierten Text.«
(Deutschlandfunk)

»So folgt man dem Abend und lässt sich von seinen Geschichten anziehen. Zu verdanken ist das wesentlich auch dem Ensemble. (…) Lutz Hübner, Sarah Nemitz, Isabel Osthues und das Ensemble (erzählen) auch eine Künstlergeschichte: wie da jemand im Schaffensprozess eines Werkes immer wieder zweifelt, manchmal auch verzweifelt. Ein Werk, das entsteht, während drum herum die Welt in Stücke geht.«
(Nachtkritik)