Das wird schon. Nie mehr lieben

von Sibylle Berg


mit: Judith Rosmair, Maren Eggert,
Norman Hacker, Harald Baumgartner

Regie: Isabel Osthues
Bühne und Kostüme: Kathrin Frosch
Musik: Patrick Schimanski

Premiere: 6. Januar 2005
Thalia Theater Hamburg

 

Zwei verzweifelte Frauen, ein Klageweib und ein Guru: Sibylle Bergs "Das wird schon. Nie mehr Lieben" am Thalia in der Gaußstraße Eigentlich wären die zwei Frauen am liebsten wie die Stoff­puppen, die sich in die wabenförmigen Bühnen­wand eingekringelt haben: sicher und zusammen­gekuschelt in der Wärme der Zwei­samkeit. Ineinander aufgehend mit dem Liebsten. Doch halt - das ist alles nur Illusion. Die Liebe gibt es nicht, das wissen Frau 1 (Maren Eggert) und Frau 2 (Judith Rosmair) genau. Sie haben sie am eigenen Leib erfahren: die Bindungs­ängstler, Mutter­söhnchen, die ver­heirateten Gigolos. Alle waren dabei, nur nicht der Eine, der Einzige, mit dem es ewig dauern soll.

Weil sie in Wahrheit aber doch noch ein bisschen an die Liebe glauben, wollen sie sich das in einem Workshop austreiben lassen. "Nie wieder Lieben", heißt das Seminar, das der schmierige Kursleiter Knut (Norman Hacker) ausgerechnet am Silvester­abend anbietet - und auch das Stück von Sibylle Berg, das jetzt am Thalia in der Gaußstraße Premiere hatte. Erfolg ist garantiert, "bei even­tu­ellem späteren Verlieben gibt's das Geld zurück". Dann geht es auch schon los, und die Damen dürfen sich öffnen: Heraus kommen altbekannte Scheußlichkeiten: der Langweiler mit schlechtem Mund­geruch, den man aus lauter Verzweiflung dann doch küsst, die Zufalls­bekanntschaft, auf deren Rückruf man wochenlang wartet - und natürlich der Reinfall mit dem verheirateten Mann.

Sibylle Berg ist bekannt für ihre bösen Beobachtungen im Paarungsbetrieb. Viele Situationen in "Das wird schon. Nie wieder Lieben!" erinnern an ihre Kolumnen in Frauen­zeitschriften. Dennoch macht es großen Spaß, diese Szenarien so unterhaltsam nachgespielt zu sehen. Isabel Osthues hetzt ihre Protagonisten in rasantem Tempo durch die Abgründe ihrer Sehnsüchte und den Schmerz der Des­il­lu­si­o­nie­rung. Nach jeder Lebensbeichte scheucht Guru Knut seine beiden Jüngerinnen über den wellenförmigen Bühnen­boden und lässt sie mantraartig nachbeten: "Ein Mann, der nicht anruft, hat kein Interesse an mir. Ein Mann, der anruft, hat nur ein sexuelles Interesse." Dazwischen brilliert Harald Baumgartner in der Rolle des vom Kursleiter engagierten "Klageweibs" mit grandiosen musikalischen Zwischeneinlagen: Im blauen Putzfrauenkittel schnarrt er mit Grönemeyer-Stimme: "Ich glaub nicht an Wunder - an Wunder glaub ich nicht." Das ist schließlich auch der Satz, den Frau 1 hervorstößt, nachdem sie alle Seminar-Weisheiten verdaut hat: "Ich glaub', ich will gar nichts mehr." Kursleiter Knut ist be­gei­stert. Das Klassenziel ist erreicht. Auch Frau 2 versucht, sich zu freuen. Aber man sieht ihr an, dass sie daran denkt, was sie vor Beginn des Seminars gesagt hat: "Ich habe Angst, dass ich nach dem Kurs nicht mehr träumen kann." Man kann ihr nur wünschen, dass sie irgend­wann ihr Geld zurück­bekommt."

 

Text: Carolin Ströbele, Die Tageszeitung
Fotos: Arno Declair