Der Steppenwolf

von Hermann Hesse.

In einer Theaterfassung von Joachim Lux

 

mit Oliver Jacobs, Nadine Kettler,

Michael Laricchia, Lilli Lorenz,

Patrick Schadenberg, Patrick Wudtke

 

Regie: Isabel Osthues
Bühne: Nikolaus Frinke
Kostüme: Sarah Sauerborn

Premiere: 19. Januar 2019
Theater Heidelberg

 

Termine: Theater Baden-Baden

 

Harry Haller ist zerrissen. Das bürgerliche Dasein widert ihn an, gleichzeitig erfüllt ihn eine romantische Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Ruhe. Der ihm unter mysteriö-sen Umständen zugespielte Tractat vom Steppenwolf diagnostiziert seine zerfallene Persönlichkeit, spendet Haller aber keinen Trost. Von Selbstmordgedanken getrieben landet er in der Gosse der nächtlichen Großstadt. Ein Engel, die androgyne Hermine, rettet ihn. Haller trifft auf seinen geistigen Heroen Goethe, lernt die Rauschhaftigkeit der Nacht kennen und findet schließlich Zugang zum „magischen Theater“. Dessen Eintritt kostet nicht Geld, sondern seinen Verstand.
Hermann Hesses 1927 erschienener Roman entstand in einer großen Lebenskrise des Autors. Am Ende steht aber die Aussicht auf ein versöhnliches Verhältnis und Harmo­nie zwischen Ich und Welt.

 

Text: Theater Baden-Baden

Fotos: Nikolaus Frinke

Presse

Umjubelte Premiere:

Ketten der Zwangsstruktur lösen.

„Anarchistische Abendunterhaltung. Magisches Theater! Eintritt nicht für jedermann - nur für Verrückte!“ Man darf davon ausgehen, dass die Zuschauer, die zur Premiere am Samstag das ausverkaufte Baden-Badener Theater füllten, entrüstet das Haus verlassen hätten, wenn man sie für verrückt erklärt hätte. Dabei wäre es doch manchmal ratsam, von seinen vorgefassten Denkschemata abzurücken, Blockaden zu verrücken um sich vom Seelenballast abzurücken und Platz für neue Perspektiven zu entdecken.
(…) Heraus gekommen ist ein verblüffend kurzweiliges skurriles Drama, das in Baden-Baden dank der differenzierten Regie von Isabel Osthues das Publikum zum Jubeln animierte, als seien einige unter ihnen tatsächlich ein wenig verrückt. (…)
Einzige eine Zimmerpflanze und ein Plastikkännchen, mit dem der Vermieter Michael Laricchia pingelig hantiert, bietet zunächst die kahle Bühne von Nikolaus Frinke, bevor eine besondere Art von Stuhlgang die Fläche mit Sitzmöbeln jeder Art zupflastert. (…) Nicht nur der Harry, dessen Metamorphose Oliver Jacobs durchgängig erleidet, sondern deren fünf agieren geschäftig diskutierend durcheinander. Sie veranschaulichen die gespaltene Persönlichkeit des Titelhelden. (…) Mozart und Goethe in mehrfacher Person höchst amüsant von Patrick Wutdke, Michael Laricchia und Patrick Schadenberg als durchgeknallte Repräsentanten der ‚Unsterblichen‘ in Szene gesetzt, servieren eine geradezu groteske Performance. Ihr kichernd kreischender und wiehernder Einsatz soll diesem hilflos schüchternen Eigenbrötler unter erotisierendem Einfluss der beiden Huren Hermine und Maria dazu bewegen, normale menschliche Züge anzunehmen, gewöhnlich zu lieben und die allgemeine Misere des beängstigenden industriellen Zeitalters mit Humor - oder wenigstens mit Galgenhumor - zu betrachten. Lilli Lorenz als Hure, zart wie eine Elfe, streng wie eine Domina, die den Mann als Marionette tanzen lässt, nimmt sich gleicherweise  mütterlich und verführend des Unglücklichen an. (…) Nadine Kettler als Maria bindet und erschreckt gleichermaßen sowohl als reife Geliebte als auch in der Rolle der androgynen Tierbändigerin. Hinreißend wie diese beiden Darstellerinnen ihre Rollen verinnerlichen. Die Ketten der gespaltenen Kreatur Wolf versus Harry zu lösen, gelingt schließlich Pablo, dem Freund der Halbweltdamen und Direktor des Magischen Theaters. Auf goldenen Highheels stöckelnd und in einer Korsage (Kostüme Sarah Sauerborn) fühlt sich Patrick Schadenberg offensichtlich wohl in seiner Transsexualität. Ein Halluzinogen aus seiner Hand lässt das Wölfische verblassen, damit der Genesende „über den Klimbim der Welt lachen lernt. Mehr wird nicht verlangt.“

 

Baden-Badener Tagblatt