Exit G

Kammeroper von Michael Maierhof und 
Steffen Pohl (Libretto)

 

mit Frauke Aulbert (Sopran), Daniel Gloger (Countertenor) und Alex Friedland

 

Musikalische Leitung: Christof M. Löser und Michael Maierhof
Ensemble: Decoder Ensemble, Hamburg
Regie: Isabel Osthues
Bühne und Kostüme: Christian Wiehle

Uraufführung: 5. April 2015, 20:00 Uhr
Opera stabile, Hamburg

 

Termine: www.hamburgische-staatsoper.de

 

Im Zentrum der Kammeroper »EXIT G« von Michael Maierhof und Steffen Pohl steht das Gebrochene in der Stimme - das handelnde, singende Subjekt, dessen Töne mit einfachen analogen Objekten aufgespalten werden und so eine emotionale, klangliche Erfahrung zeit­ge­nössischer Subjekt-Spaltungen ermöglicht.
Mit Hilfe von eigens entwickelten, mechanischen Vocodern (teilweise mit Motoren) wird in den Gesang der Opernfiguren eingegriffen. Auch der Klang des Instrumentalensembles ist durch Präparationen und Applikationen stark verändert. Die Musiker sind im Raum um die Zuschauer herum platziert.
Konfrontiert wird diese szenische sowie musi­ka­lische Anordnung mit einer gesprochenen Erzählung eines Schauspielers, der den Alltag des jungen Fahrradkuriers Valentin in Hamburg erzählt. Für diesen modernen Helden ist sein geliebter, gelebter Beruf alternativlos, obwohl die Branche, so lässig sie ist oder war, langsam von der digitalen Verfügbar- und Übertragbarkeit bedroht und verdrängt wird. Er rast täglich durch Hamburg für seinen Lebensunterhalt, trotzt den Regeln und Tücken des Straßenverkehrs, kommuniziert mit Freunden, Kollegen, und Kunden, nur das drohende Ende seiner Beziehung mit Freundin Karolina macht ihn ratlos.
Musik und Gesang, die sichtbare Szenerie, die gehörte Geschichte, die Musiker zwischen dem Publikum, in allen diesen Kombinationen gibt es keine objektive Geschichte, erst in der Wahr­nehmung der Zuschauer verbinden sich die Ebenen zu einer möglichen Einheit - der Oper.

 

Fotos: Gero Sander

Pressestimmen

(...) Mit der Figur des Valentin ist dem Librettisten Steffen Pohl ein echter Wurf gelungen. Der spätpubertäre Held der Oper träumt seinen Traum von einem unentfremdeten Leben, während das alltägliche Leben an ihm vorbeizieht.

(...) Der Komponist Michael Maierhof hat für diese Opernreportage aus der alltäglichen Tretmühle Klänge gefunden, die vor allem durch Ver­frem­dung entstehen. Töne von Stimmen oder Klarinette werden durch Plastikbecher moduliert, Saiten von Cello und Klavier mit Schall­zahn­bürsten zum Schwingen gebracht. In dieser Geräuschcollage wirken die wenigen, natürlichen Töne wie kostbare Fundstücke und Inseln des Idealen. So wird in "Exit G" zwar gesummt, aber kaum gesungen – für das, was sie zu sagen hätten, haben die Figuren selbst weder Töne noch Worte.

(...) Vorangetrieben wird die Geschichte vor allem durch den Erzähler. Hier glänzte Alex Friedland als allgegenwärtiger und wandlungsfähiger Conférencier und Chronist in Personalunion. Und auch die Sänger Daniel Gloger (Valentin) und Frauke Aulbert (Caroline) überzeugten durch eine großartige darstellerische Leistung. Gerade weil den beiden Protagonisten ihr eigentliches Aus­drucks­mittel, die Stimme, vom Komponisten weitgehend entzogen wurde, lebte die In­sze­nie­rung vor allem durch die kluge Personen­führung der Regisseurin Isabel Osthues. Ganz in seinem Element war das Decoder Ensemble unter der Leitung von Christof M. Löser; Decoder bewährte sich einmal mehr als Hamburgs Spezialtruppe fürs Experimentelle.«

 

Hamburger Abendblatt, 07.04.2015, mehr