Mr. Marmalade

Schauspiel von Noah Haidle

mit: Franziska Werner, Cornelius Schwalm, Konstantin Lindhorst, Doreen Nixdorf,

Evelyn M. Faber

Regie: Isabel Osthues
Bühne und Kostüme: Christina Mrosek

Premiere: 12.09.2013, 20.00 Uhr
Staatstheater Wiesbaden, Wartburg

 

‚Mr. Marmalade‘ ist eine bitterböse und tiefschwarze Komödie, die sich spielend leicht auf dem gefährlichen Grat zwischen kindlicher Phantasie und der grausamen Realität des Missbrauchs bewegt. Das Stück erzählt durch die Perspektive eines vierjährigen Mädchens von sehr erwachsenen Themen und fast schon traumatischen Realitätserfahrungen, die sich mit der kindlichen Vorstellungskraft mischen.

Lucy ist ein vierjähriges Mädchen mit einer äußerst lebhaften Fantasie. Da ihre alleinerziehende Mutter sie häufig sich selbst überlässt, erschafft sie sich eben auch ihre Gesellschaft selbst. Leider hat ihr erfundener Freund, der gutsituierte Geschäftsmann Mr. Marmalade, ebenfalls nicht viel Zeit für sie und ist auch sonst kein Kinderfreund, wie man ihn sich vorstellt. Er verprügelt seinen Assistenten Bradley, schnupft Kokain, hat eine Vorliebe für Pornografie und noch manch andere dunkle Seite. Nein, ein guter Freund ist er nicht, aber manchmal ist ein bisschen was besser als gar nichts.

Dann lernt Lucy den fünfjährigen Larry kennen, ein durchaus realer Junge mit realen Problemen, der mit seinen jungen Jahren schon einen Selbstmordversuch hinter sich hat. Doch Mr. Marmalade sieht die wachsende Freundschaft mit großer Missgunst und setzt alles daran, sie zu verhindern.

Der Autor Noah Haidle wurde 1977 in Michigan geboren und studierte an der Princeton University und der Juilliard School in New York Szenisches Schreiben. Er gewann zahlreiche Preise und wird ‚als frische, erneuernde Stimme des amerikanischen Theaters‘ gepriesen.

 

Text: Staatstheater Wiesbaden
Fotos: Lena Obst

Pressestimmen

Die Inszenierung von Isabel Osthues ist in jeder Hinsicht grandios gelungen. (...) Da sind vor allem fünf durchweg starke Darsteller, die gelungen die Ebenen von Realität und Lucys ausgeprägter Fantasie auszuloten wissen. Allen voran ist dies Franziska Werner, die als Lucy über Sofalehnen tanzt und taumelt; Emotionsachterbahn fährt zwischen kreischendem Entzücken und bodenloser Angst, altklugem Ernst und untröstlicher Trauer, und dabei mal ganz bei sich ist, ins Spiel versunken, und dann wieder ganz weit aus sich heraus kommt. (...) Wie Lindhorst durch Larrys zu lange Hosen schlurft, wie er die nackten Zehen abspreizt und seine Finger in die ausgeleierten Pulloverärmel krallt, daran kann man sich kaum sattsehen.
Frankfurter Rundschau

Der Inszenierung von Isabel Osthues gelingt es, Lucys Einbildung ganz real und ihre Sicht auf die Wirklichkeit seltsam bizarr zu zeigen. (...) Dieses tragikomische Vexierbild entsteht vor allem durch Franziska Werner, eine der kuriosesten Schauspielerinnen weit und breit, die mit rollenden Augen und gefurchter Stirn ohne Worte von Neugier und Not erzählen kann. Ihre Lucy ist mit Zöpfen, Ringelhemd und Tutu denn auch stets sowohl Kind als auch Kobold, die Naivität des einsamen Mädchens ist tiefschwarz grundiert.
Darmstädter Echo

‚Alle sagen: Genieße die Kindheit. Aber ich bin anders, ich genieße die Kindheit nicht‘, sagt Larry, mit dem Konstantin Lindhorst berührend intensiv die Schichten der Selbsttäuschung entblößt – ein ebenbürtiges Pendant zur starken Franziska Werner. Weil dieser Theaterabend vom vollen Einsatz der Schauspieler und den feinen Regieeinfällen lebt, deshalb lohnt ein Besuch.
Wiesbadener Kurier

Wenn Erwachsene kleine Kinder spielen, dann kann das schnell peinlich und unerträglich werden (...). Es ist vor allem das Verdienst von Franziska Werner als Lucy, dass man die absurde Grundkonstellation des Dramas nachvollzieht, ja dass man in ihr immer mehr die Vierjährige sieht und halbwegs glauben kann, dass es so im Kopf eines verstörten Kindes zugeht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

‚Das Schauspiel ist eine rabenschwarze Komödie, die ernste, sozialkritische Themen mit ulkigen und lustigen Szenen vermengt. Die Inszenierung Isabel Osthues ist ein Besuch in der Wartburg definitiv wert.‘
STUZ