Parzival

von Lukas Bärfuss,
nach dem Versroman von
Wolfram von Eschenbach


mit: Nadine Boske, Larissa Aimée Breidbach, Florian Denk, Sinja-Kristina Dieks, Carlo Degen, Alexander Finkenwirth, Alexander Peiler, Kristin Suckow, 
Christoph Schinkel, Julian Trostorf

Regie: Isabel Osthues
Bühne und Kostüme: Mascha Schubert

Premiere: 17. Dezember 2010
Hans-Otto-Theater Potsdam, Reithalle

 

Parzival versteht die Welt, in die er gesetzt wurde, nicht. Er weiß buchstäblich von nichts, nicht einmal von sich selbst, und das ist nach der Überzeugung seiner Mutter Herzeloyde auch gut so, denn sie will ihn durch seine Unwissenheit vor der Wirklichkeit schützen. Damit provoziert sie das genaue Gegenteil: Parzival bricht auf, um Ritter zu werden und endlich die Welt kennenzulernen. Er trifft auf Artus und die Ritter der Tafelrunde und schafft es, mit den dümmsten Fragen Aufmerksamkeit zu erregen. Doch man meint es gut mit ihm und lehrt ihn, was ein Ritter tun und unterlassen soll, vor allem, nicht zu viel zu sprechen, denn Ritter fragen nicht! Parzival verzichtet also auf Fragen und erschlägt den roten Ritter ungefragt. In dessen Rüstung zieht er weiter, bis er auf den kranken König Anfortas trifft. Der hält in seiner Burg ein Wunder versteckt, das die Kraft hat, die Welt zu erlösen. Würde Parzival dem leidenden Anfortas die richtige Frage stellen, könnte er allen die Befreiung bringen. Aber er hat gelernt zu schweigen, und so zeigt er auch kein Mitleid mit dem greisen König. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist Anfortas’ Gralsburg verschwunden. Parzival ist verzweifelt. Erst wenn er von seinem Ehrgeiz lässt und sich Rechenschaft über sein eigenes Wesen abgibt, können die Burg und die alles entscheidende Frage wieder vor ihm erscheinen.




Parzival ist die Geschichte eines amoralischen Außenseiters. »Was wollt ihr denn, ihr verdammten Menschen?« Parzivals Anklage gegen die Willkür der Regeln, die man ihn lehrt und die im nächsten Moment nichts mehr gelten sollen, steht gegen die Welt und wendet sich doch vor allem gegen ihn selbst. Parzival instrumentalisiert seine Umwelt und macht sie sich zu eigen; für ihn ist die Welt regellos, und so sollen auch für ihn keine Regeln gelten. Dieser Auserwählte kennt seine eigenen Bedürfnisse, aber keine Empathie – einen Erlöser hat man sich anders vorgestellt


Der knapp 25.000 Verse umfassende »Parzival« von Wolfram von Eschenbach (1170/75–1220) gehört zu den bedeutendsten Dichtungen des deutschen Mittelalters. Der junge schweizerische Dramatiker Lukas Bärfuss, einer der profiliertesten Autoren im deutschen Sprachraum (u. a. »Die sexuellen Neurosen unserer Eltern«, »Der Bus«), schuf eine beeindruckend moderne, lakonische und dichte Fassung des Parzival-Stoffes. Die Zeitung Die Welt schrieb über Bärfuss: »Die eigentümlichen Bildwelten und die sprachliche Prägnanz seiner Texte weisen Bärfuss als einen Dichter unter den Theaterautoren aus«.

 

Text: Hans-Otto-Theater Potsdam